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Zeit und Schule – Schulzeit
Welche Bedeutung hat Zeit im Lernprozess?

Sonderausgabe Wissenschaft
Fachkompetenz als identitätsstiftendes Merkmal der Wirtschaftspädagogik
Berichte vom fünften österreichischen WIPÄD-Kongress
 
 

Die geschichtliche Entwicklung der Werkmeisterausbildung in Österreich

Eine Dokumentation, die Josef Dolezal - Ehrenpräsident des Verbands betrieblicher Führungskräfte (VdF) - anläßlich des 50-Jahre-Jubiläums des VdF ergänzend zur Verbandschronik erstellt hat, zugeschickt von Ing. Rudolf Jakubcik (VdF)

Das gewerbliche Unterrichtswesen in Österreich hat seine Ursprünge bereits im 17.Jahrhundert. Aus diesen Anfängen hat sich die Schulung der mittleren Führungsschicht bis heute soweit entwickelt, dass der österreichische Werkmeister und Techniker mit seinem Wissen- und Ausbildungsstand eine führende Rolle in Europa einnimmt. Das wird nicht von uns Österreichern festgestellt, sondern von Vertretern der westlichen Industrieländer.

Schon 1675 wurde in Wien ein „Kayserliches Kunst- und Werkhaus“ durch Johann Joachim BECKER errichtet. Diese und weitere Schulgründungen hatten aber keinen langen Bestand. Erst unter  Maria Theresia und   Josef II. kam es zur Errichtung berufsfördernder Schultypen für das praktische Erwerbsleben.

Gestatten Sie, dass die schulische Entwicklung ab jetzt nur mehr schlagwortmäßig bis zum Jahre 1875 aufgezählt wird.

1758 Gründung der „Manufakturzeichenschule“ in Wien

1774 wurden in allen Landeshauptstädten „Normalschulen“ (Vorläufer der gewerblichen Fortbildungsschulen) errichtet. Weiters ordnete  Maria Theresia die Errichtung von „Industrieschulen“ an. In diesen Industrieschulen fanden Handwerker und Meister eine Betreuung. Unter  Franz I. kam es zur Gründung von „Realschulen für höhere gewerbliche Bildung“.

1806 wurde die „Polytechnische Schule“ in Prag

1811 das „Joanneum“ in Graz und

1815 das „Politische Institut“ in Wien gegründet und der Pflege, Erweiterung und Veredlung des Gewerbefleißes, der Bürgerkünste und des Handels gewidmet.

1843  als das „k.k. Unterrichtsministerium“ eingerichtet wurde, bestanden in Österreich ausser den zuletzt erwähnten 3 Polytechnischen Instituten (Vorläufer der Technischen Hochschulen in Prag, Graz und Wien) 7 Realschulen, 1 Realhandelsakademie, 4 ständische Zeichenschulen und die, schon 1758 gegründete Manufakturzeichenschule.

1861  entstanden unter der Initiative des „k.k.Handelsministeriums“ „Fachschulen“ für die verschiedensten Berufsrichtungen. Unterrichts- und Handelsministerium bemühten sich um die Ausgestaltung des beruflichen Schulwesens.

1864 setzte das Unterrichtsministerium eine bedeutende Tat und gründete das „Österreichische Museum für Kunst und Industrie“. Durch die Angliederung der „Kunstgewerbeschule“ im Jahre

1867 wurde die erste staatliche Bildungsanstalt geschaffen.

Eine Reformarbeit des Unterrichtsministeriums auf dem Gebiete des gewerblichen Bildungswesens wurde durch das

1875 erschienene amtliche Exposè des Referenten für gewerbliche Schulangelegenheiten, Armand Freiherr von  Dumreicher eingeleitet. Gedacht war an die Errichtung staatlicher Gewerbeschulen, an denen 2 Schultypen zu unterscheiden waren:

  1. Die  Werkmeisterschulen für die baugewerbliche, maschinengewerbliche und ornamentale Richtung, die Werkmeister, Bauführer, Poliere, Unternehmer und  Leiter kleinerer Betriebe heranbilden solle, und
  2. die  Höhren , die der Ausbildung künftiger Fabrikanten, Fabriksdirektoren, Baumeister usw. zu dienen hatten, deren Absolventen eines Hochschulstudiums entbehren könnten.

In den Jahren 1874 - 1882 entstanden 11 Staatsgewerbeschulen im Gebiet der Monarchie. Viele davon nahmen den Unterricht als „WERKMEISTERSCHULE“ auf. Bezieht man sich auf den ältesten ministeriellen Erlass vom 23. Juni 1874, Zahl 6787, mit dem die Lehrverfassung einer „Werkmeisterschule“ genehmigt wurde, darf die „Werkmeister-Ausbildung“ in Österreich heuer auf eine 125-jährige Geschichte.

Knapp vor dem 1. Weltkrieg, im Schuljahr 1911/12, zählte man im gewerblichen Unterrichtswesen

8 Zentral-Lehranstalten
30 Staatsgewerbeschulen (mit Werkmeisterbildungsstätten)
9 Bau- und Kunsthandwerkerschulen
202 Fachschulen für einzelne Gewerbe
15 Lehrwerkstätten
7 Allgemeine Handwerkerschulen
1120 Lehranstalten für die weibliche Jugend und
1433 Gewerbliche Fortbildungsschulen

Unter dem Einfluss der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung der Industrie in der Ersten Republik stieg die Nachfrage nach Technikern mit mittlerer Schulbildung. Einerseits entstanden aus den Tages-Werkmeisterschulen Gewerbeschulen mit „Höheren Abteilungen“, andererseits kam es zur Gründung von „Abend-Werkmeisterschulen“, die der Facharbeiterschaft die Möglichkeit eröffneten, sich neben der Berufsausübung fortzubilden.

1919 wurde durch den „Bildungsausschuss der Arbeiter und Angestellten des Wiener Arsenals“ das „Elektro- und Maschinenbau-Technikum Arsenal“ gegründet und zuerst als Abend-Ingenieurschule mit Abend-Werkmeister-Lehrgängen geführt. Aus der Abend-Ingenieurschule wurde später eine Tagesschule, die 1953 in die Argentinierstraße im 4. Wiener Gemeindebezirk übersiedelte und der Unterrichtsverwaltung unterstellt, während die Werkmeister-Abendschule als „Technisch gewerbliche Abendschule“ von der Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien als Schulhalter übernommen wurde.

Am „Technologischen Gewerbemuseum in Wien IX“ wurde im Jahre
1937 eine Abend-Werkmeisterschule errichtet.

An der „Höheren Technischen Bundeslehranstalt Wien X“ entstand
1937 eine Abend-Werkmeisterschule für Flugzeugbau, welche bis 1938, dem Jahr der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich, geführt wurde. Schon im Jahre 1930 entstand an der selben Schule eine dreijährige „Werkmeisterschule für Gießer“.

Nach dem 2. Weltkrieg war die Lage der österreichischen Wirtschaft katastrophal. Die im Jahre 1952 einsetzende Stabilisierung brachte aber besonders der Industrie einen noch nie verzeichneten Aufschwung. In der Werkmeister-Ausbildung vermochten die an den Bundesgewerbeschulen noch verbliebenen Werkmeister-Tagesschulen und die bereits vorhandenen Werkmeister-Abendlehrgänge der Nachfrage aus Gewerbe und Industrie nicht mehr gerecht zu werden.

Etwa im Jahre
1949 wurden im Rahmen der Erwachsenenbildung durch die Kammer für Arbeiter und Angestellte und die Wirtschaftsförderungsinstitute der Kammer der gewerblichen Wirtschaft eine Reihe von Werkmeister-Abendlehrgänge eingerichtet.

1959 wurde der „Verband der Maschinenbau-Werkmeister“ gegründet, der sich vorwiegend zur Aufgabe machte, die Fortbildung und Weiterbildung seiner Kollegen und Mitglieder durch Vorträge, Diskussionen, Exkursionen und der Herausgabe einer eigenen technischen Fachzeitschrift aus der Praxis für die Praxis zu fördern. Bei den Veranstaltungen des heutigen VbF wird darauf Rücksicht genommen, alles das zu  bringen, was in den Werkmeisterschulen naturgemäß nicht berücksichtigt werden kann. (Lebenserfahrung!)

Etwa zur selben Zeit begann die „Österreichische Volkswirtschaftliche Gesellschaft“ ihre Arbeit in bezug auf die Erwachsenenbildung.

Die ÖVG veranstaltet 1-wöchige Seminare, in denen den Führungskräften die wirtschaftlichen Belange und Notwendigkeiten nahe gebracht werden und die Werkmeister auf Möglichkeiten der wirtschaftlichen Führung einer Produktionsstätte aufmerksam gemacht werden.