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Der 10. österreichische Wirtschaftspädagogik-Kongress
Beiträge aus Forschung und Praxis

 
 

Die Preise klettern … Inflation – das unbekannte Wesen

Begriffsklärung und Messung von Preissteigerungen – Teil 1 Ein Beitrag von Mag. Gottfried Kögler, Dr. Barbara Müllauer-Hager und Dr. Johanna Rechberger

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1. Zum Thema

Fragt man Schüler/innen, was „Inflation“ ist [im Sinne einer Begriffsklärung], so bekommt man meist folgende oder sehr ähnliche Antworten wie, Inflation ist eine Steigerung der Preise oder eine Verminderung der Kaufkraft des Geldes, also eine Situation, in der man mit der gleichen Summe Geld immer weniger kaufen kann. Diese Erklärungen sind zwar grundsätzlich richtig und doch auch wieder verkürzt.

In diesem fachdidaktischen Beitrag [Teil 1] wird gezielt versucht, im Sinne eines Überblicks – anhand konkreter und schüleraktivierender Unterrichtsmaterialien – erste Antworten auf die nachfolgenden Fragen zu geben:

  • Was ist Inflation? Was sind die Merkmale der Inflation?
  • Warum muss man den Geldwert überhaupt messen?
  • Wie werden Änderungen des Geldwertes erfasst bzw. berechnet?

Die Fragenbereiche „Auswirkungen“, „Ursachen“ und „Bekämpfung“ von Preissteigerungen werden in einem weiteren Beitrag [Teil 2] – zu einem späteren Zeitpunkt – behandelt werden.

Außer Streit steht, dass das Ringen um den Wert des Geldes (also die Erhaltung der Kaufkraft) – vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts – heute zu den zentralen Anliegen bzw. Zielsetzungen der Wirtschaftspolitik zählt. So ist für viele Menschen der älteren Generationen, die nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gelebt haben, die Befürchtung wahr geworden, dass das Geld innerhalb kurzer Zeit nur mehr einen Bruchteil wert war.

Wie vielschichtig der Fragenkomplex „Phänomen Inflation“ ist, soll anhand der drei ausgewählten Textierungen veranschaulicht werden:

Neuerlich „flutete“ die EZB den Markt mit billigem Geld

Vergangene Woche holten sich 800 Kreditinstitute insgesamt 529,5 Milliarden Euro für eine Laufzeit von drei Jahren. Bereits beim ersten 3-Jahres-Tender im Dezember 2011 hatten sich 523 Banken zusammen 489 Milliarden Euro von der EZB geliehen. Beobachter und Kommentatoren sind nicht einig: Ist damit ein wesentlicher Schritt in Richtung Lösung der Liquiditäts- und Schuldenkrise getan oder ist das viele Geld nicht doch Wurzel eines künftig viel größeren Problems? Klar ist, dass die 3-Jahres-Tender die Liquiditätsversorgung der Banken erheblich verbessert hat und sich damit die Wahrscheinlichkeit des Zusammenbruchs einer größeren europäischen Bank verringert hat. [ … ] Eine durchaus erfreuliche Entwicklung also – allerdings gibt es auch erhebliche Risiken. [ … ] Nämlich dann, wenn die Schuldenkrise rasch überwunden und die Konjunktur rasant an Fahrt gewinnt: Die Überschussliquidität könnte dann die Preise [= Inflation] stark steigen lassen.

(Markt & Trend, Ausgabe 5, 5. März 2012)


5% Lohnerhöhung gefordert
Herbstlohnrunde startet mit Metallern

Die Herbstlohnrunde beginnt Mittwochnachmittag gleich mit Vollgas. Die Arbeitnehmervertreter übergeben der Metallindustrie ihre Forderungen an die Arbeitgeber und danach wurde sofort – entgegen der bisherigen Praxis – mit der ersten Verhandlungsrunde begonnen. Eine Einigung in der ersten Runde gilt allerdings als extrem unwahrscheinlich. Im Vorjahr waren vier Sitzungen erforderlich.

Die Verhandlungen finden heuer erstmals nicht mit der gesamten Metallindustrie statt. Der weitaus größte Fachverband, die Maschinen-und Metallwarenindustrie (FMMI), ist aus dem bisherigen Verbund ausgeschieden, wodurch die Gewerkschaften heuer mit allen sechs Verbänden getrennt sprechen. Den Auftakt machte die FMMI, die rund 120.000 der 180.000 Metaller vertritt.

Ausgangsbasis für die Verhandlungsrunde ist eine Inflationsrate von 2,8 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten, im Vorjahr gab es ein Plus bei den Kollektivverträgen von im Schnitt 4,2 Prozent. Nach einer sehr guten Auftragslage in den vergangenen zwei Jahren hat sich zuletzt der Ausblick für die Metallindustrie eingetrübt. Einen Abschluss unter der Inflationsrate hat die Gewerkschaft schon ausgeschlossen, alles unter einem Dreier vorm Komma wäre für die Betriebsräte wohl schwer zu argumentieren. Gefordert wurde eine fünfprozentige Erhöhung der Löhne.[ … ]

(http://www.heute.at/news/wirtschaft, 19.9.2012, gekürzt)


Verflixte Zahlen

In jedem Mietvertrag und praktisch jeder Vereinbarung, die über einen längeren Zeitraum Gültigkeit hat, findet sich eine mysteriöse Wertsicherungsklausel, die in einem geheimnisvollen Zusammenhang mit dem Verbraucherpreisindex steht. Kaum jemand weiß aber, wie man den Index richtig anwendet und was die Wertsicherungsklausel wirklich bedeutet. [ …] Wertsicherungen werden in langfristige Verträge mit fixen – etwa monatlichen – Zahlungen eingebaut, um die mit der Inflation verbundene Teuerung auszugleichen.“

(trend, 7/88)


2. Didaktische Tipps und Hinweise

Zentrales Ziel der nachfolgenden Arbeitsaufträge ist es, den Schülerinnen und Schülern einen vertiefenden Einblick in die Bereiche „Begriff und Messung von Preissteigerungen“ zu ermöglichen.

Die hier erstellten Materialien erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sollen – ergänzend zum Lehrbuch – dabei helfen, dieses Thema in aktueller, praxisbezogener Form zu vermitteln.

Die Unterrichtskonzeption gliedert sich in folgende Teile:

Teil I: Einstiegsvarianten in das Themenfeld
Teil II: Basisteil – Inflation
Teil III: Vertiefungsteil – Inflation

Wichtig:
Die nachfolgend vorgestellten didaktischen Aufgabenstellungen können auch weitgehend unabhängig voneinander eingesetzt werden. Einige Teilbereiche der Aufgabenstellungen eignen sich auch speziell für den Einsatz in Notebook-Klassen.

Teil I: Einstiegsvarianten in das Themenfeld „Phänomen Inflation“

Aufgabe 1: Phänomen „Inflation“ – Prüfen Sie Ihr Wissen!

Anhand von acht Fragen haben die Schüler/innen eine erste Möglichkeit, ihr Vorwissen zum Themenkomplex „Inflation“ zu überprüfen. Das Quiz wurde so konzipiert, dass Wissens- mit Schätzfragen kombiniert wurden. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade der Fragen sollen gewährleisten, dass einerseits die Schüler/innen einige Fragen problemlos beantworten können (also ein Erfolgserlebnis haben), andererseits aber zur Einsicht gelangen, dass es doch wesentliche Inhalte gibt, die für sie neu sind.

Aufgabe 2: Die Preise klettern – Zahlen und Fakten …

Mithilfe der Tabelle „Entwicklung der Verbraucherpreise in Österreich 1971–2011“ wird einerseits veranschaulicht, wie sich die Preise in diesem Zeitraum jährlich erhöht haben. In der Grafik „Kaufkraftvergleich für Industriearbeiter 1980–1990–2000–2010“ wird nachgewiesen, dass die Kaufkraft der Österreicher/innen gestiegen ist und sie für den Erwerb vieler Produkte bzw. Dienstleistungen heute kürzer arbeiten müssen als noch vor 30 Jahren.

Aufgabe 3: Aktueller Artikel zum Themenfeld „Preissteigerungen in Österreich“

In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie sich die Inflation im August 2012 in Österreich entwickelt hat, bei welchen Warengruppen die Preise besonders stark gestiegen sind („Preistreiber“) und bei welchen sie sogar rückläufig waren.


Teil II: Basisteil – Inflation

Aufgabe 4: Inflation, Deflation, Stagflation – eine erste Begriffsklärung

Anhand dieses Arbeitsblattes werden nicht nur die drei Begriffe „Inflation“, „Deflation“ und „Stagflation“ erläutert, sondern es wird auch auf die wesentlichen Unterschiede zwischen „Nominal- und Reallohn“ und auf die Notwendigkeit bzw. den hohen Stellenwert von „Kaufkraftvergleichen“ hingewiesen.

Aufgabe 5: Wie werden Änderungen des Geldwertes berechnet?
(Messung von Preissteigerungen)

Die Messung von Preissteigerungen ist gar nicht so einfach. Schließlich gibt es Millionen von Preisen in unserer Wirtschaft. Es wäre nicht möglich bzw. sinnvoll, sie alle bei der Ermittlung des Preisniveaus einzubeziehen. Aber auch die zu starke Berücksichtigung einzelner Preiserhöhungen bei der Berechnung der Inflationsrate ist problematisch. Deshalb wird in fast allen Staaten bei der Messung des Preisniveaus ein „Mittelweg“ beschritten, indem man die Entwicklung der Preise einer „repräsentativen Auswahl“ von Gütern und Dienstleistungen monatlich erfasst und daraus einen sogenannten Preisindex berechnet. Mithilfe dieses Arbeitsblattes werden die zentralen Schritte der Berechnung des VPI, des bekanntesten Preisindexes, veranschaulicht. In kurz gefasster Form wird auch noch der HVPI, mit dessen Hilfe die Inflationsraten auch EU-weit verglichen werden können, vorgestellt.


Teil III: Vertiefungsteil – Inflation

Aufgabe 6: Der VPI als Grundlage für Lohnverhandlungen

Diese Aufgabe soll den Schüler/innen anhand bewusst ausgewählter Schlagzeilen die Bedeutung des VPI als Basis für Lohnverhandlungen und die hohe Aktualität des Themas aufzeigen. Darüber hinaus können mithilfe der einzelnen Schlagworte wesentliche Zusammenhänge geklärt werden.

Aufgabe 7: Internetrecherche zur Inflation in Österreich

In Österreich ist die Statistik Austria mit der Erhebung und Berechnung des VPI betraut. Mithilfe dieses Arbeitsblattes soll einerseits ein Einblick in die Arbeitsweise der Statistik Austria gegeben bzw. Vertrautheit im Umgang mit ihrer Website erzeugt und andererseits – aufgrund gezielter Fragestellungen – einzelne Bereiche der Inflations¬berechnung in Österreich aufgezeigt werden.

Aufgabe 8: Kreuzworträtsel

Dieses zusammenfassende Kreuzworträtsel dient dazu, die wesentlichsten Begriffe und Zusammenhänge im Themenfeld „Begriffsklärung und Messung der Inflation“ in spielerischer Form noch einmal zu wiederholen.

Aufgabe 9: Inflationsreporter

Zum Abschluss findet sich unter dieser Aufgabe noch eine didaktische Idee, die der eigenständigen Auseinandersetzung mit der Preisentwicklung in einzelnen Sektoren gewidmet ist. Konkret werden die Schüler/innen in Kleingruppen eingeteilt und erhalten jeweils für einen Bereich des Warenkorbs (denkbar sind z. B. Wohnungsmieten, Strompreise, Treibstoffpreise, Flugreisen, Notebooks, Milch, Schokolade usw.) den Arbeitsauftrag, über einen bestimmten Zeitraum hinweg die Preise in diesem Segment zu beobachten. Schließlich sollen alle Gruppen zu vorweg vereinbarten Terminen über die Preisentwicklung in ihrem Bereich berichten. Ziel ist es dabei, aufzuzeigen, dass sich innerhalb weniger Wochen sehr viel in den einzelnen Verbrauchsgruppen ereignen kann, wobei die Preise nicht immer nur steigen müssen, sondern durchaus sinken könn(t)en.


3. Weitere Informationen

Weitere zahlreiche Informationen zum Themenkomplex „Inflation“ können im Internet abgerufen werden.

Beispiele:

http://aws.m-services.at (→ Angebote → VolkswirtschaftPLUS → 02/2007: Preisindex → 03/2007: Inflation)

www.oenb.at (Die OeNB → Initiative Finanzwissen → z. B. Inflationscockpit)

www.ecb.int (Die Europäische Zentralbank → Lehrmaterial → Videos und Online-Spiele zum Thema Inflation)


4. Material/Downloads

* Die Lösung finden Sie in einem geschützten Bereich für Lehrerinnen und Lehrer. Die Zugangsdaten dazu können Sie unter Angabe von Name, Schulkennzahl und Adresse der Schule anfordern unter info@wissenistmanz.at.  


5. Schulbuchbezug

 

Betriebs- und Volkswirtschaft HAS 3
Kapitel 10: Geld und Volkswirtschaft (LE 1: Grundfragen des Geldwesens, Seite 204 ff)
SB-Nr: 145651
MANZ Verlag Schulbuch, 2010 

     
 

Betriebs- und Volkswirtschaft HLW IV
Kapitel 2: Geld und Volkswirtschaft (LE 1: Grundfragen des Geldwesens, Seite 28ff)
SB-Nr: 150658
MANZ Verlag Schulbuch, 2011

     
 

Wirtschaft und Recht HTL, Band 1
Teil 3: Volkswirtschaft, Kapitel 2: Grundfragen der Markt- und Geldwirtschaft (LE 3: Grundfragen des Geldwesens, Seite 320ff)
SB-Nr: 2826
MANZ Verlag Schulbuch, 2010

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