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Der Mensch dahinter: Martin Bauer – ein Lehrer im Netzwerk gefangen

von Herbert Winkler


Zum Berufsbild eines seriösen Zauberers gehört, dass es bei seiner Arbeit nicht mit rechten Dingen zugeht. Wenn so ein Magier eine Jungfrau zersägt, dann sind Kräfte im Spiel, die zu begreifen auch scharfsinnige Wissenschaftler überfordern. Wer jemals versucht hat, einen Kilo Aufschnitt wieder in eine vollständige Wurst zu verwandeln, ahnt, wie schwierig die entsprechende Prozedur beim Zusammensetzen einer zersägten Jungfrau ist.

 
Martin Bauer

Bei einem Netzwerktechniker ist es nicht anders. Jedenfalls kommen mir ähnliche Gedanken, wenn ich ihm bei den Manipulationen zusehe. Ein Computerfachmann zersägt zwar keine Jungfrauen, aber er orchestriert Daten, Rechner und Bildschirme in gleicher geheimnisvoller Weise. Für einen Laien ist es pure Zauberei.

Martin Bauer ist so ein EDV-Magier. Sein Steckenpferd ist die Informatik und die EDV. Und das von Kindesbeinen an. Schon mit 12 Jahren war er an Mathematik interessiert und beschäftigte sich mit dem Programmieren. Manche Lehrer waren seine Schüler. Einstweilen ist der Computer sein liebstes Arbeitsgerät, das ihn beinahe rund um die Uhr begleitet.

„Ich suche generell die Herausforderungen in technischen Belangen“, erklärt mir Mag. Bauer. Allein die Begeisterung, mit der er über die Möglichkeiten, die ihm der Computer bietet, spricht, lässt keinen Zweifel aufkommen. Sein ganzer Lebensweg ist mit Informatik gepflastert:

Reifeprüfung an der Handelsakademie in Krems, Softwareentwickler in Salzburg, Studium der Wirtschaftspädagogik in Wien, Geschäftsführer einer IT-Firma in Krems, Betriebsberater in St. Pölten. Dass er in Kitzbühel geboren ist, ist wohl eine Spielform der Geografie und hat mit EDV nichts zu tun.

Derzeit ist Martin Bauer an der Handelsschule und -akademie in St. Pölten tätig. Er unterrichtet die Spezialfächer Softwareentwicklung bzw. Netzwerkmanagement und bezeichnet sich selbst als nicht strengen, aber fordernden Lehrer.

Warum ist so ein Computer-Stradivari nicht in der Wirtschaft tätig, sondern in der Schule?

„Das wäre mir zu stressig und würde mir zu viel Zeit für die Familie abziehen“, gesteht Bauer. „Lehrer zu sein macht Spaß. Ich bin immer gefordert und verpflichtet, auf dem Letztstand des Wissens zu sein.“

Seine Frau ist – fast ahnt man es – auch Computerfachfrau und unterrichtet an der HAK in Krems. Er hat sie aber nicht in einem Softwareladen kennengelernt. Sie kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit an der Handelsakademie.

„Sie war meine Klassenliebe“, zwinkert mir Mag. Bauer zu. „Wir waren sogar die Eintänzer beim Maturaball.“ Sein Leuchten in den Augen ist nicht zu übersehen. Nach zehn Ehejahren wäre nun tänzerisch eine Quadrille möglich. Es kamen eine einstweilen sechsjährige Tochter und ein nun neunjähriger Sohn dazu. Ein kleines Standbein als Selbständiger gibt es trotzdem. Bauer hat eine eigene Softwarefirma.

Für MANZ ist Bauer ein Glücksfall. Er dupliziert all sein profundes Wissen in Bücher und mixt es mit didaktischer Erfahrung. Martin Bauer zeichnet im Verlag für die Schulbücher Wirtschaftsinformatik (Mitautor), Netzwerkmanagement und Softwareentwicklung verantwortlich.

Meine Vermutung, dass es bei einer derartigen Lust für die Computerwelt gar keine Freizeit gibt, ist falsch. Prof. Bauer baut unter anderen eine Modelleisenbahn. Gemeinsam mit dem Sohn und im Keller seines Hauses. Zu glauben, dieses Hobby wäre EDV-steril, wird aber gleich korrigiert.

„Natürlich braucht so eine Anlage eine komplexe Technik. Überhaupt sind da viele elektronische Bausätze im Spiel“, erklärt mir Herr Magister. Damit sind wir wieder in der Computerwelt gelandet.

Ich mache einen letzten Versuch und frage Herrn Professor über die Urlaubsgewohnheiten. Plötzlich lehnt er sich entspannt zurück und sein Blick geht in die Ferne.

„Ich liebe es, mit meiner Familie in einem Wohnwagen zu verreisen. Den letzten Urlaub verbrachten wir in der Normandie“, sinniert er. Wie viele Computer haben Sie da mit?

„Gar keinen!“, entlarvt Bauer meine etwas zynische Frage. „Im Wohnwagen habe ich keinen Computer.“

Ich wusste ja, dass mich nicht nur Zauberer verblüffen können.


Professor Mag. Martin Bauer, MSc.
BHAK-BHAS St. Pölten
Waldstraße 1
3100 St. Pölten
E-Mail: bauer.martin@hakstpoelten.ac.at

Mag. Martin Bauer schreibt regelmäßig für wissenplus-News: Neuigkeiten, Tipps, Tricks für den Wirtschaftsinformatikunterricht.