Bettina Greimel-Fuhrmann
Eine außerordentliche und außergewöhnliche Professorin - von Herbert Winkler
In der folgenden Geschichte ist die handelnde Person real, die Handlung jedoch frei erfunden:
Frau Magistra Bettina Greimel stellt nach ihrem Studium der Wirtschaftspädagogik ihr Wissen und Engagement einer Bank zur Verfügung. Es dauert nicht lange und sie arbeitet in der Gipfelregion des Finanzwesens. Zu den Ingredienzien ihrer Tätigkeit zählt die Lust und das Interesse am Bankwesen. Damit hat sie sich einen beruflichen Sonderwunsch erfüllt.
An dieser Darstellung ist so ziemlich alles falsch. Lediglich das Studium der Wirtschaftspädagogik stimmt. Der Rest ist virtuell und erdichtet, hätte aber durchaus so verlaufen können. Fuhrmann, wie sie verheiratet heißt, gesteht, dass die Arbeit in und für eine Bank lange Zeit auf der Wunschliste ganz oben gestanden ist.
Die berufliche Realität der handelnden Person nahm nach dem Unistudium einen anderen Verlauf. Einen außerordentlichen Verlauf. Sie ging nicht in die Wirtschaft, sondern vergrößerte den Radius ihres Interesses an der Wissenschaft. Dr. Bettina Fuhrmann ist heute ao. Univ.-Professorin an der Wirtschaftsuniversität in Wien.
Nach dem Studium nahm Mag. Greimel, wie sie ledig hieß, die ihr angebotene Stelle als Universitätsassistentin an und vertiefte sich in die Forschungsarbeit. Sie war damals 22 Jahre. Ihr Lehrer und Mentor war der Papst der Wiener Wirtschaftspädagogik, Wilfried Schneider. Am Ende dieses Lebensabschnittes stand das Doktorrat und der Beginn der wissenschaftlichen Laufbahn.
„Die Arbeit an der Universität hat mich gefangen genommen“, sagt Frau Professor, „die Wirtschaftspädagogik ist ein äußerst spannendes Berufsfeld und bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten.“
Ihre Habilitation widmete Frau Doktor der nützlichen Frage, welche Einflussgrößen aus Sicht der Schüler für einen guten Lehrer gelten. Diese vielfach gestellte Frage hat Fuhrmann im Bereich Rechnungswesen und im Schultyp Handelsakademie untersucht. Damit erwarb sie im September 2003 den Zugang zum Hochplateau der Universität. Sie wurde ao. Universitätsprofessorin und lehrt heute als Dozentin. Ihre Domäne am Departement von Universitätsprofessor Dr. Aff ist die Evaluation von Unterrichtsqualität, von Unterrichtsmethoden und von Fragestellungen der Fachdidaktik. Ihre Mission ist die Schulung der zukünftigen Lehrer in ihrer didaktischen und persönlichen Entwicklung.
„Präsentieren, die Kunst der Konfliktlösung oder das Analysieren von Gruppenprozessen sind für zukünftige Lehrer die Basics für einen sensiblen Unterricht“, ist Professor Fuhrmann überzeugt. Die Bausteine müssen gut gefügt sein, damit die schulische Pädagogik nicht wackelt.
Im Gespräch über den lebenden Organismus Schule ist die Wissenschafterin nicht verlegen. Sie hat sowohl Erfahrung als Lehrerin in einer Handelsakademie wie auch in der Wirtschaftskammer Österreichs erworben. Dort leitete sie die Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft und Schule. Damit blieb ihr das erhalten, was sich bei Wissenschaftern oft nur diffus findet, nämlich ein brauchbares Verhältnis von theoretischer Wissenschaft und wirklicher Schulwelt.
So war es auch bei der Untersuchung zur diskutierten Einführung von Bildungsstandards in den österreichischen Schulen. Dabei ist die Bildungspolitik ja gerne, aber selten einer Meinung mit den Schulpraktikern. Fuhrmann hat dazu die Einschätzung von HAK-Lehrern erhoben.
„Die Lehrkräfte erkennen durchaus den Nutzen von definierten Mindestanforderungen im Lehrplan, sehen aber durch die Einführung von Bildungsstandards nicht automatisch eine Verbesserung von Schülerleistungen“, erklärt Dr. Fuhrmann. „Die meisten Lehrer wollen ihre Unterrichtsziele selbst festlegen.“
Müßig zu erwähnen, dass Greimel-Fuhrmann ihr Engagement und Wissen auch mit konstanter Hochgeschwindigkeit publiziert. Sie redigiert, aktualisiert und schreibt Schulbücher für den Unterricht in Betriebswirtschaft. Die Bücher sind Fachwerke für die Handelsschulen und -akademien sowie die Schulen für wirtschaftliche und humane Berufe. Speziell die Teacher’s Guides sind ihr ein Anliegen. Ein Glücksfall für den Manz-Verlag, verbindet doch die Autorin in kompetenter Weise Theorie und Praxis und dient Schülern und Lehrern zugleich.
Mit Leichtigkeit wechselt Frau Fuhrmann das Thema, wenn man sie um ihre außeruniversitäre Welt fragt. Der Lebensmittelpunkt ist ihre Familie. Die Tochter* und ihr Ehemann sind weit vor einer beruflichen Karriere gereiht. So hat sie die Chance auf eine Berufung auf einen Lehrstuhl in München nicht ergriffen, um ihre Familie nicht zu vernachlässigen. Sie war die Erstgereihte.
„Ich habe bezweifelt, dass ich als Universitätsprofessorin in Deutschland genügend Zeit und Energie für die wichtigen Entwicklungsschritte meiner Tochter* hätte“, sagt Bettina Fuhrmann und ringt mir Respekt ab.
Sie ist damit nicht nur eine außerordentliche, sondern auch außergewöhnliche Professorin. Man könnte es eine ordentliche Lebensprofessur nennen.
Ao. Univ.-Prof. Dr. Bettina Fuhrmann
Universitätsdozentin am
Institut für Wirtschaftspädagogik
Augasse 2-6
1090 Wien
e-mail bettina.fuhrmann@wu-wien.ac.at
* Mittlerweile hat Prof. Fuhrmann zwei Kinder.
